• Andrea Kuhn

Im Fokus der Presse


Dieser Monat war geprägt von Unruhen als Millionen Hongkonger auf die Strasse gingen um gegen das umstrittene Auslieferungsgesetz zu demonstrieren, welches für viele den Anfang vom Ende der Unabhängigkeit Hongkongs von China bedeutet.

Plakate mit der Aufschrift "Stop killing us" (hört auf uns zu töten) zeigen klar die Angst der Menschen, dass China mehr und mehr Macht über Hongkong erlangen könnte und damit die Sonderrechte die Hongkong geniesst bald der Vergangenheit angehören.


Was ist das Hauptproblem? Das Hongkong, wie wir es heute kennen, entstand aus dem Sieg Grossbritanniens über die chinesische Qing Dynastie während des ersten Opiumkrieges in 1842. In den 155 Jahren als britische Kronkolonie entwickelte sich die eher unbedeutende Region die von Fischfang und Perlenzucht lebte zu einer bedeutende Handelsmetropole. Eine lange Zeit die sowohl Kultur als auch Denkweise der Menschen tief geprägt hat.

Mit der Rückgabe Hongkongs an China im Jahr 1997 und des damit in Kraft getretenen "Ein Land, zwei Systeme" Prinzips, welches Hongkong für eine Dauer von 50 Jahre die Rechte als Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China zusprach, wurde der Region ein hohes Mass an Autonomie in allen politischen Bereichen, ausgenommen Aussen- und Verteidigungspolitik, zugesichert. Die Hoffnung der chinesischen Regierung, dass die Bevölkerung Hongkongs sich so Schritt für Schritt wieder in die chinesiche Kultur eingliedert und die britische Denkweise, welche das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Demokratie in die Köpfe der Menschen eingepflanzt hat, langsam verblassen lässt, hat sich bis heute, 22 Jahre nach diesem Abkommen, nicht erfüllt.

Ich denke das Hauptproblem Hongkongs ist eine Identitätsfrage. Wie ein Kind welches in zwei komplett unterschiedlichen Kulturen gross geworden ist und sich nun der Frage stellen muss: Wer bin ich und zu wem gehöre ich? Wo die einen kein Problem sehen sich selbst als Chinesen zu bezeichen und somit ihr Zugehörigkeitsgefühl zu China zu verdeutlichen, ist es für die anderen unvorstellbar. Sie sehen sich als Hongkonger, was dies jedoch genau bedeutet, gilt noch herauszufinden. Eines wurde jedoch in den letzten Tagen klar, die Hongkonger sind bereit für ihre Freiheit und Rechte zu kämpfen und dies in einer Weise, wie nie zuvor. Die jungen Leute haben aus den Fehlern von 2014, wo die "Umbrella" Bewegung bereits für Aufsehen sorgte gelernt und was damals noch als reine Studentenbewegung abgetan wurde, hat sich zu einer Massenbewegung entwickelt die keine Anführer braucht.

2 Millionen Hongkonger belagern das Hongonger Regierungsgebäude am Sonntag, 16. Juni, und fordern die Ablehung des Auslieferungsgesetzes zwischen Hongkong und China sowie eine offizielle Entschuldigung von Regierungschefin Carrie Lam.

Loblied inmitten der Proteste "Sing Hallelujah to the Lord" (Singt dem Herrn Hallelujah) wurde zur inoffiziellen Hymne der Proteste in Hongkong als zahlreiche christliche Gemeindegruppen in Mitten der Demonstrierenden Loblieder anstimmten. Ausserdem riefen die Hongkonger Gemeinden, darunter auch meine, zu Gebetstreffen auf um für die Demonstrierenden, die Regierung und die Polizei zu beten.

Neuste Entwicklung Heute, 1. Juli, 22. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China, gingen die Proteste in die nächste Runde. Tausende belagerten bereits gestern Abend das Gelände rund um das Regierungsgebäude und forderten lautstark Demokratie für Hongkong. Unter anderem wollen die Demonstranten mit ihrem Aufmarsch auch die G20 Nationen die sich diese Woche in Japan treffen auffordern, Stellung für Hongkong zu beziehen.


Am Sonntag, 30. Juni, am Abend vor der grossen Feier zum Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China, versammeln sich tausende Hongkonger in Central und vor dem Regierungsgebäude und fordern Demokratie und Freiheit für Hongkong.

Wähend die Zeremoniefeier zum Jahrestag der Übergabe Hongkongs an China zum ersten Mal ins Innere des Regierungsgebäudes verlegt wurde, angeblich wegen des Regens, lieferten sich ein Teil der Demonstranten ein Kräftemessen gegen die Sicherheitskräfte als sie versuchten das Regierungsgebäude zu stürmen. Hinter der Fensterfront standen zahlreiche bewaffnete Polizisten bereit und erhoben schliesslich ein Banner mit der Warnung, dass sie Gewalt anwenden sollten die Demonstranten weiterhin versuchen in das Gebäude einzudringen.


Es ist traurig zu sehen, dass die mehrheitlich friedlichen Protestmärsche durch solche Aktionen in ein schlechtes Licht gerückt werden. Auch wenn der Frust und die Sorgen der Hongkonger Bevölkerung weitgehend auf Verständnis stossen, sind solche Ausbrüche traurig und besorgniserregend. Wie lange wird China noch zuschauen bis es eingreift? Wann wird der bisher noch mehr oder weniger harmlose Protest zu Blutvergiessen führen? Dies sind die Fragen die wir uns wohl besonders alle stellen.

Bete für Hongkong Ich weiss nicht wie sich die Lage entwickeln wird, doch ich bitte dich, zusammen mit den christlichen Gemeinden Hongkongs und Menschen weltweit im Gebet für Hongkong einzustehen. Bete für die Demonstranten und Polizisten, dass die Situation nicht weiter in Gewalt und Chaos eskaliert. Bete für die Regierungschefin, Carrie Lam, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen wird um den Frieden zu wahren. Und bete für China.

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