• Andrea Kuhn

Perspektivenwechsel

Ich bin erst ein paar Tage hier, doch es ist verrückt wie real alles wird was man vorher nur aus dem Fernseher kennt, wenn man selber seine "comfort zone" verlassen hat. Man ist hier tagtäglich mit Charity-Arbeit konfrontiert.


Container werden mit allen möglichen Hilfsgütern beladen und in die ganze Welt verschickt. Kleider, Spielsachen usw. werden sortiert, Möbel werden aufbereitet und man trifft auf so viele unterschiedliche Menschen aus allen Nationen. Was man ganz deutlich spürt ist, dass hier etwas Grosses, etwas Wichtiges passiert – etwas dass das Leben von Menschen weltweit verändert.


Alle die hier arbeiten sind sehr herzlich und hilfsbereit. Es ist mir klar, dass es auch hier Unstimmigkeiten geben kann und wird, doch man ist durch die besonderen Umstände viel mehr auf einander angewiesen. Man lebt und arbeitet Tür an Tür und jeder Einzelne weiss, wie es sich anfühlt seine Familie, Freunde, ja den gewohnten Lebensstandard hinter sich zu lassen. Es ist schwer sich nicht sofort als Teil dieser grossen Familie zu fühlen und genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist es, was schliesslich alles andere in den Hintergrund rücken lässt. Plötzlich ist es egal, dass man auf gebrauchten Matratzen schläft, die Möbel secondhand sind und nicht zusammenpassen, dass es keine richtige Heizung, geschweige denn eine Isolation in den Wohnungen hat, dass die Badewanne schon mal Rost-Beulen aufweist und die Fenster nicht dicht sind, dass die Gebäude in denen wir wohnen mal Kasernen waren und der Putz schon abblättert, sodass sie von aussen auf den ersten Blick unbewohnbar erscheinen.


Wir sind alle Teil von etwas Grossem, von etwas, das wichtiger ist als wir. Diese Erkenntnis lässt mich Schritt für Schritt die Dinge anders sehen. Ja, wir alle kommen aus sehr reichen Ländern mit einem sehr hohen Lebensstandard, doch bereits im Vergleich zu einer durchschnittlichen Hongkonger-Wohnung, ist das, was ich hier im Village habe, purer Luxus. Wie viel mehr ist es im Vergleich zu den Menschen die auf der Flucht sind, auf der Strasse leben, Hunger leiden oder Tag für Tag um ihr Leben fürchten?

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